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K(l)eine Story des JG-Labels
JG, oder auch Jazzgroove, war ein kleines Privatlabel, dass von 1969 bis 1983 im damaligen Kreis Altena (heute Märkischer Kreis) Akzente gesetzt hat. JG war zumindest bei den mir bekannten Platten ein Jazzlabel. Und der Jazz dieser Jahre war neu und aufregend. Umso höher ist zu bewerten, dass diese Musik dank dreier Enthusiasten, Karlheinz Klüter, Werner Panke und Heinz Bonsack, neben Dortmund und Iserlohn auch in Altena eine Heimat gefunden hat. Altena hatte damals einen Namen in der Jazzscene, nur zu vergleichen mit heute noch

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bekannten Festivalstädten wie Moers und Leverkusen. Das JG Label hat dieses musikalisch mit den Platten zu den Festivals in Altena und später in der Balver Höhle dokumentiert.  Dazu gab es noch atemberaubende Produktionen wie die Debut - LP des Mönchengladbacher Pianisten Walter Strerath oder Live-Platten etablierter Grössen wie John Surman. Dass JG Platten weltweit bekannt sind,  davon zeugen heute Plattenverkäufe über Ebay, wo die meisten der frühen Aufnahmen nach Japan, Amerika oder ins europäische Ausland gehen.

Hier geht es weniger um die Geschichte des JG Privatlabels als um meine eigene.  Denn die Recherche zum Jazzgroove/ JG Privatlabel ist sehr mühsam. Es ist fast nichts darüber zu finden. Die Archive der Städte Altena und des Märkischen Kreises bieten zwar einige Berichte zu den Konzerten, die von den Machern des Labels veranstaltet wurden, aber rein gar nichts zum Plattenlabel und deren Veröffentlichungen selbst. Auch Karlheinz Klüter, der auf fast jeder Platte entweder als Produzent oder Aufnahmeleiter auftaucht, schreibt in seiner Homepage so gut wie nichts über das Label. Eine Anzeige im Jazz-Podium 1970, Heft 6 aber macht deutlich, dass JG ein reines Privatlabel war. In dieser Anzeige bietet Karlheinz Klüter seine Dienste als Produzent, Aufnahmeleiter und Grafiker für Auflagen von 250 bis 500 Platten mit folgenden Worten an. “Sie sollten eine eigene LP machen.....ist nämlich gar nicht so teuer” Es hatte also jeder die Möglichkeit, eine Platte produzieren zu lassen. Dies mag die grosse Anzahl unbekannter Nummern erklären, nicht jede davon hat die Aufmerksamkeit erhalten wie z.B. Walter Strerath oder Günter Klatt. Ich weiss noch nicht einmal, ob es sich bei den unbekannten Nummern um Jazzplatten handelt.

Die Recherche zum Thema gestaltet sich aber umso spannender, je tiefer man in die Materie einsteigt. Weitergebracht haben mich zum Beispiel das Buch -Jazz in Dortmund- von Uta C. Schmidt, Andreas Müller und Richard Ortmann. Ebenso die Festschrift des HotClubs Iserlohn zum 50 jährigen Bestehen. Dort gab es zwar keine direkten Hinweise auf JG-Platten, aber man konnte sehr gut Rückschlüsse auf einige Platten ziehen. Auch bekam ich durch diese Bücher einen Einblick in die regionale Jazzgeschichte und was die Generation meiner Väter auf dem Gebiet der kulturellen Entwicklung geleistet hat. Dem Free- und New-Jazz Anfang der 70er Jahre eine Bühne zu geben erzeugte bei den meisten Menschen eher Kopfschütteln und Unverständnis und ist damit um so höher zu bewerten.

Von Literatur, Jazz, Johannisbeergelee und Kirschen
Ein ganz besonderes Erlebnis hatte ich mit Werner Geck. Nach einer schriftlichen Anfrage wegen seiner LP ...dann höre ich nur zu... war er sofort bereit, mich bei sich zu Hause zu empfangen. Es war eine sehr vergnügliche Begegnung. Werner Gecks Ehefrau Brigitte beschäftigte sich gerade mit dem Einkochen von Johannisbeergelee. Zufälligerweise hatte ich am Tage vorher meinen Kirschbaum abgeerntet. So konnte ich meine mitgebrachten Kirschen gleich weitergeben und erhielt dafür zwei Gläser Johannisbeergelee. Von Werner Geck bekam ich als Dreingabe eine Menge Informationen für diese Seite sowie ein Exemplar der wunderbaren Platte, die er zusammen mit dem Schriftsteller Günter Radtke im Jahre 1980 aufgenommen hatte. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank. Für mich ein Beweis, welch wunderbare Begegnungen man durch die intensive Beschäftigung mit Jazzmusik erleben kann. Die Musiker sind alles handfeste und freundliche Zeitgenossen ohne jegliche Starallüren und es entstehen Geschichten, welche man auch nach Jahren noch am Kaminfeuer erzählen könnte. Ebenso erging es mir mit einem Besuch bei Werner Panke und seiner Frau Ursula. Bei einem geselligen Nachmittag versorgten mich die beiden mit allerhand Informationen aus erster

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Zum Sammeln von JG - Platten bin ich durch eigene Jugenderlebnisse gekommen. Die Jazzfestivals waren ein Höhepunkt meiner Jugend in Altena. Flohmarktfunde entfachten dann das Interesse am JG - Label erneut. Allerdings nur um festzustellen, dass es heute fast unmöglich ist, an alle diese Platten heranzukommen. Wiederveröffentlichungen (z.B. Walter Strerath - TrioQuintetQuartet) machen einige der Platten heute wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Das wird aber nicht für alle mutmaßlichen 53 Nummern des JG Labels zu erwarten sein.
Udo Sawinski, im Februar 2009

Hand und einigen Anekdoten aus der damaligen Altena Jazzfestival Zeit. Die Geschichte mit Dudu Pukwanas verlorenem Horn ist ja bekannt, neu war mir, dass Dudu den Sohn von Werner und Ursula bezichtigte, dieses versteckt zu haben. Das weisen die beiden natürlich empört zurück. Werner Panke ist immer noch jazzinteressiert, widmete sich in den letzten Jahren allerdings mehr seinen Drechslerarbeiten www.wernerpanke.de Sehr schöne Holzarbeiten, die von sehr großem handwerklichen Geschick zeugen. Am Ende bekam ich von Werner eine Original Eintrittskarte des New Jazzfestivals Altena 1971 geschenkt und als Dreingabe für meine Frau eins schönes Holzarmband. Vielen Dank noch einmal.

Mit dieser Seite gibt es die bisher umfangreichste Übersicht über das Plattenlabel. Es zeigen sich zwei Zeiträume in der Produktion: 1969 bis 1972 (JG01 - JG33) und nach drei Jahren Pause 1975 bis 1983 (JG34 - JG53). Die erste Phase ist sehr stark von den Altena Festivals, die zweite Phase von den Balver Höhle Festivals geprägt.  Das Ende der JG Produktionen wurde eingeläutet, als Karlheinz Klüter seinen Wohnsitz in die Türkei verlegte. Leider gibt es noch viele weisse Flecken, die ich durch diese Seite zu stopfen hoffe. Wer also noch etwas zum Label beizutragen hat, ist aufgerufen. (Mailadresse im Impressum). So dürfte es möglich sein, das Label wieder ins Gedächtnis zu rufen, bevor es komplett in Vergessenheit gerät.

Weitere Informationen: Man findet oft Hinweise auf JG-Platten, welche sich als falsch herausstellen. So wird in Ali Haurands Diskographie im deutschen Wikipedia die Platte ‘Ben Webster - Live in Amsterdam’ gelistet. Angeblich eine JG-Platte. Das stimmt aber laut einer Mailantwort von Doris Franzen-Haurand nicht. http://de.wikipedia.org/wiki/Ali_Haurand

Scans der Werbeanzeigen aus Jazz Podium (oben) und Eintrittskarte 1973 (rechts)

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